Wie wir "arbeiten"

Wir arbeiten an uns selbst, das ist geistige Arbeit eines jeden einzelnen Bruders.

Jeder Bruder versucht an seinem "rauen Stein" die Ecken und Kanten zu glätten. Erneut muss an dieser Stelle gesagt werden, dass es die individuelle Entscheidung des jeweiligen Bruders ist, welche Mängel, welche Defizite er in seiner persönlichen Entwicklung erliegt und beheben will, um Menschenliebe, Toleranz und Bürderlichkeit im Umgang mit den Logenbrüdern, aber vor allem auch im Umgang mit den Menschen in seiner Alltagswelt zu leben.

Es gibt keine Instanz in der Loge, die den Bruder bei seiner individuellen Arbeit kontrolliert, überprüft, testet oder ihm gar Aufgaben stellt.

Die Freimaurerei arbeitet in drei Graden:

  • Lehrling
  • Geselle
  • Meister



Ein Suchender wird als Lehrling aufgenommen. Nach einer angemessenen Zeit, meist nach ein bis eineinhalb Jahren erfolgt die Beförderung zum Gesellen und zuletzt die Erhebung zum Meister.


In unserer Loge treffen wir uns wöchentlich. Meist wird bei diesen Zusammenkünften ein Vortrag gehalten, oft zu einem freimaurerischen Thema, häufig aber auch zu sogenannten profanen Themen. Das kann die Arbeitswelt eines Bruders oder auch relevante und aktuelle gesellschaftliche Themen abdecken. Natürlich bleibt es nicht aus, dass hierbei auch politische und religiöse Positionen gestreift werden. Dabei kommt es darauf an, wie an anderer Stelle bereits ausgeführt, unterschiedliche Meinungen auszuhalten und zu tolerieren.

Einmal im Monat versammeln wir uns zu einer Tempelarbeit. Zu Tempelarbeiten lassen wir keine Nicht-Freimaurer zu. Wir arbeiten hier in einem geschützten Raum, der ausschließlich für Eingeweihte zugänglich ist. Wohl deshalb existieren die abstrusesten Vorstellungen, was Freimaurer bei deren Tempelarbeiten wohl treiben:
Blutrituale beim Schlachten von Ziegen, Anbetung des Satans, Entwicklung christlicher Objekte, all so ein Unsinn ist offenbar nicht aus der Welt zu schaffen und wird immer wieder mal von radikalen Gegnern der Freimaurerei verbreitet.

Nur so viel sei gesagt:

Die Arbeit im Tempel verläuft nach rituellen Mustern und ist symbolische Arbeit mit Werkzeugen aus dem Bauhandwerk: z.B. Winkel, Zirkel, Hammer, Winkelwaage, etc.

So viel sei zum Abschluss aus dem Ritual des Lehrlingsgrades verraten. Dem Suchenden wird bei seiner Aufnahme vom Meister vom Stuhl versichert, dass nichts geschehen wird, was seiner Ehre, seiner Würde als Mensch widersprechen könnte.

Politik &
Religion

Ob Katholik oder Protestant, ob Jude oder Moslem, ob Nichtgläubige oder sonstige Gläubige, die religiöse Orientierung spielt keine Rolle. Das kann auch gar nicht anders sein bei einer Organisation, die Toleranz als einen überaus wichtigen Wert zu leben versucht. Brüderliches Miteinander bedeutet eben auch, die Meinungen und Haltungen des Bruders zu akzeptieren. 

Ich muss diese ja nicht übernehmen, aber zumindest sollte beispielsweise der Katholik dem Moslem seinen Glauben zugestehen. Dies gilt selbstverständlich auch für die politische Orientierung: ob eher konservativ, eher links oder liberal, die Haltung des Mitbruders ist zu tolerieren. Wir erwarten von unseren Brüdern Offenheit gegenüber Andersdenkenden. Vielleicht lernt der Einzelne ja etwas aus den geistigen Auseinandersetzungen vom Mitbruder. Wenn Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit als hohe Werte verstanden werden, dann widerspricht rechtsradikales Gedankengut dem Sinn und Zweck unserer Bruderschaft. Bei menschenverachtender Gesinnung hört auch unsere Toleranz auf.

Prioritäten

Die Freimaurerei ist uns wichtig. 


Und wenn ein Mann unserer Loge und damit der Weltbruderkette der Freimaurerei beitritt, dann sollte ein Bund fürs Leben geschlossen sein. Sicher, man kann natürlich auch wieder austreten, aber wir erleben Freimaurerei nicht als etwas Beliebiges und Beiläufiges, das man mal so nebenbei mitnimmt. Ein Bruder sollte schon einen gebührenden Teil seiner Freizeit für die Loge und die Brüder aufzubringen bereit sein. Aber, und dieses dicke Aber ist uns auch wichtig: Freimaurerei ist nicht alles im Leben, es gibt viele weitere reiz- und sinnvolle Aktivitäten und Hobbys. An erster Stelle sollte unbedingt das eigene private Umfeld, die Familie, stehen. Zudem sollte ein Bruder keinesfalls seine beruflichen Aufgaben und damit sein Fortkommen vernachlässigen. Beispielsweise würden wir keinen Mann aufnehmen, dessen Ehefrau damit nicht einverstanden wäre. 


Also nochmals, 

zuerst die Familie, 
dann der Beruf 

und dann die Loge.